Stura-Wahl 2017

Allgemein:

Vom 20.-22. Juni 2017 konntet ihr die Listenvertreter für die Legislatur WS 17/18 – SS 18 des Heidelberg Studierendenrates wählen. Wie die letzten 4 Jahre sind wir angetreten, um Politik für eine soziale, demokratische und emanzipatorische Hochschule zu machen.

Wahlergebnis:

Abstimmungsergebnis:

Sitzverteilung:

Anmerkung: Den Fachschaften stehen per Satzung genau 63 Sitze, die einzelnen Fachschaften erhalten je nach ihrer Größe 1-3 Sitze.

Unser Programm:

Wessen Studium? Unser Studium! Für selbstbestimmtes Lernen ohne Diskriminierung.

Die marktradikale Verwüstung der Unis in den letzten Jahrzehnten ist voll geglückt: verschultes Studium, (ungesetzliche) Anwesenheitspflicht, repressiv-selektive Prüfungsordnungen – das ist Alltag an deutschen Unis, auch in HD. Das Ziel: Studis gefügig machen, Bulimielernen, Konservierung der Klassenverhältnisse durch strukturelle Benachteiliging sozial Schwächerer. Das akzeptieren wir nicht! Unsere Forderungen: Abschaffung der Anwesenheitslisten, Anonymisierung von Massen-Klausuren, kein Druck beim Wiederholen von Prüfungen, Schluss mit überfüllten Übungsgruppen! Das wollen wir in den Gremien der Verfassten Studierenschaft einbringen. Selbstbestimmt können wir aber nur lernen, wenn wir jede Art von Diskriminierung, von Barrieren überwinden: Für motorisch beeinträchtigte Menschen, was Zugänge und Ausstattung betrifft. Oder von Geflüchteten, was die bürokratischen Hürden zur Aufnahme angeht – wir verlangen eine offene Uni und unterstützen entsprechende Kurse/Initiativen!

Uni ist mehr als Lernen!

Wir sehen die Universitäten als Ausgangspunkte für eine progressive Alternative zur reaktionären Verpestung unserer Gesellschaft durch Hass, Angst und Spießertum. Die Hochschulen sollen Orte sein, an denen neue, zukunftsweisende Lebens-, Wirtschafts- und Verwaltungsmodelle erprobt werden können. Orte, an denen Freiheit, Phantasie und Kreativität herrschen. Wir wollen nicht Systemsklaven sein, sondern unsere Persönlichkeit frei von bürokratischen und ökonomischen Repressalien erkennen und ausleben können. Auf dem Weg dahin kämpfen wir vom SDS für das, was es dazu braucht: Freiräume für studentische Kultur! Ja zu selbstverwalteten Zentren und Initiativen! Ja zu selbstorganisierten Seminaren und Anrechnung/Anerkennung derselben! Freie Bewerbung (Plakatierung) von studentischen Aktionen, Events und Gruppen statt Gängelung durch Uni und Studierendenwerk! Wertschätzung und Anerkennung für studentische Kultur fördern! Das ist gerade in Heidelberg nötig, wo die Uni spätestens seit der Zwangsräumung des studentisch verwalteten Wohnheims „Collegium Academicum“ 1977 auf Repression setzt. Beim Projekt der Neugründung des CA (das wir unterstützen) soll die Uni ihre historische Verantwortung erkennen und es finanziell mittragen.

Mehr Demokratie wagen – auch an der Uni!

Die Uni ist eine Oligarchie! Obwohl wir die weitaus größte Gruppe bilden, wird uns Studis in den entscheidenden Uni-Gremien ein echtes Mitbestimmungsrecht vorenthalten. Über die Verfasste Studierendenschaft (VS) können wir zwar vieles, aber noch zu wenig erreichen. Im Senat ist unser Gewicht vernachlässigbar. Diese Posse spielt der SDS nicht mit! Wir wollen, dass alle Mitglieder der Uni im Senat paritätisch repräsentiert werden! Keine autoritäte Machtkonzentration bei der Hochschulleitung! Die Forderung nach einer demokratischen Uni muss jedoch einhergehen mit Selbstkritik der Studierendenvertretung: Vertritt sie entschlossen die Interessen der Studierenden? Eröffnet sie für diese neue Wege oder lässt sie sich von Bürokratismus und Langweile infizieren? Diese Fragen ehrlich zu beantworten und progressive Lösungsansätze zu erarbeiten – das möchten wir im permanenten Dialog mit allen Studis tun! Daher möchten wir im StuRa eine Debatte über Selbstbild, Ziele, Struktur und Funktionsweise anregen; und darüber, wie wir Selbstbezogenheit überwinden. Als Schritte der Demokratisierung planen wir auch eine Machtverschiebung von den Referaten in den StuRa, dem parlamentarischen Herz der VS.

Gegen Sexismus, Homophobie und Hetero-Normativismus!

Als Hochschulgruppe schreiben wir uns den Feminismus auf die Fahnen, doch was bedeutet das? Für uns heißt es, dass wir die Menschlichkeit jeder Person anerkennen, egal wie sie sich identifiziert – ob hetero- oder bisexuell, trans oder weder als Frau noch als Mann. Mit dieser Einstellung kommt die Erkenntnis, dass wir in unserer Gesellschaft heute noch lange keine Gleichheit erreicht haben: Trans-Personen werden als abartig gesehen, Menschen mit nichtbinärer Geschlechtsidentität als nicht existent, Frauen werden überproportional belästigt, und die Ehe zwischen homosexuellen Paaren ist rechtlich nicht mit der von Heterosexuellen gleich. An der Uni unterstützen wir sämtliche Bestrebungen, die sich für diese Gleichheit einsetzen. Deshalb setzen wir uns zum Beispiel für bessere Förderung für Studierende mit Kind, der Anpassung der offiziellen Dokumente zur Anerkennung aller Geschlechtsidentitäten oder die Einführung einer Frauenquote für Professuren ein.

Antifaschismus – eine demokratische Pflicht!

Fight Fascism! – Auf der Straße, an der Uni und im StuRa setzen wir uns für eine Gesellschaft ohne Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung ein. „Nie wieder“ sehen wir nicht als leere Floskel an, sondern nehmen das Versprechen von nach 1945 ernst. Denazifizierung, Demilitarisierung und Demokratisierung sind auch heute noch zentrale Ziele unserer politischen Arbeit. Wir leben in Zeiten, in denen neofaschistische Politik in die Mitte der Gesellschaft vorstößt, Marine LePen 33,9% der Stimmen erhält und der Präsident der USA Donald Trump heißt. Der Hass der „besorgten Bürger*innen“ und die Verrohung der Gesellschaft werden weitestgehend ohne aktiven Widerstand hingenommen. Dagegen zeigen wir klare Kante. Wir wollen im StuRa zur Schaffung und Sicherung einer Kultur des Respekts und der Vielfalt beitragen, die Migrant*innen und ausländische Studierende nicht ausgrenzt. Heidelberg soll ein Ort sein an dem alle Menschen unabhängig von Herkunft oder Orientierung angstfrei miteinander leben können. Faschistoides Denken hat an unserer Uni keinen Platz!

Solidarität: Sozialismus bedeutet gemeinsam stark statt einsam ausgebrannt!

Geld ist die Waffe der Unterdrücker, Solidarität die der Unterdrückten. Praktisch heißt Solidarität für uns, dass wir den Kampf gegen die zynische und rassistischen partiellen Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer*innen und Zweitstudien in BaWü fortführen. Vom Protest der Studis gegen diesen ersten Schritt hängt es ab, ob die Politik wieder allgemeine Studiengebühren wagen wird oder nicht. Solidarität heißt aber auch, die Ausbeutung von studentischen Hilfskräfte an unserer Uni nicht einfach so hinzunehmen! Deren Prekarisierung äußert sich darin, dass ihnen gesetzlich zugesicherte Rechte und Möglichkeiten bewusst verschwiegen oder verweigert werden, z.B. beim Urlaub. Dafür werden Hilfskräfte nicht selten mit unbezahlten Überstunden, chronischer Unterfinanzierung und unfairen Anstellungsverträgen ausgenutzt. Dagegen wollen wir ankämpfen, in dem wir studentische Hilfskräfte durch den StuRa über ihre Rechte aufklären und ihnen beim Aufbau autonomer gewerkschaftlicher Strukturen helfen. Wir fordern ein Ende der geschickt genutzten Unwissenheit und der Willkür, eine einheitliche Charta der Rechte und Pflichten der Hilfskräfte, niveauvolle Arbeitsinhalte und faire Entlohnung. Wir setzen uns für einen gemeinsamen Tarifvertrag für alle studentischen Beschäftigten an der Uni ein!

Study love, not war! Für eine Uni ohne Rüstungsforschung!

Frieden – im Angesicht einer zunehmend entmenschlichten Welt ein verbindendes Interesse unserer Generation. Als Pazifist*innen können wir vom SDS daher nicht gleichgültig mit ansehen, wie Forschung nicht nur für zivile und friedliche Zwecke betrieben wird. Wie an den Laboren und Instituten das Blut unschuldiger Zivilist*innen klebt! So hat Heidelberg in jüngerer Vergangenheit für das Pentagon geforscht. Dem Beispiel vieler anderer Unis folgend, soll auch Heidelberg eine „Zivilklausel“ einführen. Das ist keine aufoktroyierte Einschränkung der Forschungsfreiheit, sondern die freiwillige Selbstverpflichtung, keine Gelder und (Forschungs-)Aufträge von Rüstungskonzernen anzunehmen. Diese Zivilklausel wäre zugleich ein deutliches Zeichen gegen das Revival militaristischer Tendenzen. Als einzige studentische Initiative stellen wir sicher, dass diese humanistische Forderung nicht in Vergessenheit gerät!

Weniger Kapitalismus, mehr Öko!

Der Kapitalismus ist gekennzeichnet durch eine hemmungslose Ausbeutung von Mensch und Natur zu Gunsten von Profitmaximierung für einige wenige. Massentierhaltung und hemmungsloser Rohstoffabbau sind nur zwei Beispiele dafür. Auch vor Universitäten macht diese Maschinerie keinen Halt. Wir wollen dem eine Kultur der ökologischen Nachhaltigkeit entgegensetzen: Förderung von grüner Forschung, mehr Sensibilisierungsprojekte und breite Unterstützung von umweltbewussten Initiativen. Über die studentischen Gremien versuchen wir, den kapitalistischen Charakter der Uni zum Guten zu verändern. Wir möchten darüber hinaus das Bewusstsein über die Notwendigkeit einer langfristigen Überwindung des Kapitalismus schärfen, denn: Eine bessere Welt ist möglich!

Sozialismus ist Partizipation – über die Wahl hinaus! Leiste deinen Beitrag bei der Gestaltung der Uni in deinem, im Sinne aller: Mach mit im SDS!

Plakate: