Stura-Wahl 2016

Wahlergebnis:

Abstimmungsergebnis:

PROGRAMM:

MEHR STUDENTISCHE LEBENS- UND FREIRÄUME SCHAFFEN

Etliche studentische Initiativen und Hochschulgruppen sind in Heidelberg mit dem Problem konfrontiert, dass Räume fehlen, wo sie die von ihnen organisierten öffentlichen Veranstaltungen durchführen können. Gemäß § 65 Landeshochschulgesetz ist die Uni verpflichtet, der Studierendenschaft Räume „unentgeltlich zur Verfügung“ zu stellen. Dennoch bekommen aufgrund vollkommener Willkür studentische Initiativen immer wieder Räume von der Univerwaltung verweigert. In anderen Uni-Städten wie Freiburg ist dies undenkbar. Studentische Kultur wird damit massiv eingeschränkt.

Dieses repressive Zurückdrängen studentischer Kultur durch die Universität hat eine lange Tradition. 1977 wurde das von Studierenden demokratisch selbstverwaltete Collegium Academicum (CA) durch die Universität ersatzlos enteignet. Heute findet sich im Carolinum-Gebäude die Zentrale Universitätsverwaltung. Studentische Kultur wurde durch universitäre Bürokratie ersetzt.

Nun plant der CA-Verein, der bei der Enteignung des historischen CA entstanden ist, in Rohrbach ein selbstverwaltetes Studierendenwohnheim. Dem Projekt fehlt nur noch die Finanzierung. In Anbetracht der Geschichte des CA, vor allem der gewaltvollen Auflösung, sehen wir es als Pflicht der Universität, hier ihren finanziellen Beitrag zu leisten und nicht nur zuzusehen. Das CA darf kein Luftschloss bleiben, sondern ist wieder als Zentrum studentischen Lebens zu etablieren.

Auch Studis, die in keiner Hochschulgruppe mitmachen, wissen oft gerade im Wintersemester, wenn die Kälte die Flucht nach draußen verbietet, nicht, wo sie sich mit anderen treffen können, um miteinander ungezwungen zu diskutieren, zu organisieren oder auch einfach nur zu quatschen. Zudem ist in Wohnheimen oder studentischen Wohngemeinschaften angesichts der Heidelberger Wohnungsnot in der Regel kein Platz um sich zu treffen. Eine Kultur selbstverwalteter studentischer Cafés wie in anderen Uni-Städten existiert in Heidelberg nicht. Auch deshalb ist es umso wichtiger, dass hier endlich neue studentische Freiräume entstehen. Der SDS unterstützt diese Prozesse im StuRa, wo immer es geht.

Die Uni ist nicht nur zum Lernen und Arbeiten da, sondern auch Lebensraum der Studierenden!

EINFÜHRUNG EINER ZIVILKLAUSEL

In immer mehr Unisatzungen bundesweit sind bereits Zivilklauseln verankert. Eine solche Klausel verbietet Rüstungs- und Militärforschung an Universitäten und verpflichtet deren Mitglieder zu einer Forschung für Frieden und zivile Zwecke. Bisher ist aber auch Heidelberg ein Standort von Rüstungsforschung. Durch Recher-chen der Süddeutschen Zeitung und des NDR wurde 2013 bekannt, dass das biowissen-schaftliche Institut der Uni Heidelberg 2012 einen Rüstungsauftrag für das Pentagon in Höhe von $189.400 angenommen hat. Wir haben an der Uni Heidelberg den AK Zivilklausel ins Leben gerufen und sind die einzige studentische Initiative, die sicherstellt, dass die Forderung einer Zivilklausel in Heidelberg nicht in Vergessenheit gerät. Für eine Uni ohne Rüstungsforschung!

PREKARISIERUNG VON STUDENTISCHEN HILFSKRÄFTEN UND STUDENTISCHEN ARBEITNEHMER*INNEN STOPPEN!

Viele wissenschaftliche Hilfskräfte kennen das Problem: Der Vertrag läuft nur ein Semester. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern leider die Norm: Nur etwa 25% aller wissenschaftlichen Hilfskräfte werden für ein Jahr oder länger eingestellt, die Hälfte aller Verträge laufen bis zu einem halben Jahr. Doch die Probleme beginnen lediglich bei der Vertragslaufzeit und enden nicht mit ihr. Studentische Hilfskräfte, vor allem Frauen, arbeiten im Mittel knapp vier Stunden länger als vertraglich festgelegt, in vielen Fällen zehn oder mehr; diese Überstunden werden meist nicht bezahlt. Als Angestellte im öffentlichen Dienst steht wissenschaftlichen Hilfskräften z.B. auch noch ein gesetzlicher Jahresurlaub zu, jedoch wird diese Gelegenheit selten wahrgenommen oder sogar von den Instituten verweigert. Hier fehlt Aufklärung.

Wir fordern: Eine Verbesserung der Beschäftigungssituation von studentischen Hilfskräften! Diese für den Unialltag unentbehrlichen Stellen sind chronisch unterfinanziert, Rechte werden nicht berücksichtigt. Diese Missstände wollen wir ändern. Weiterhin möchten wir studentische Arbeitnehmer*innen sowie Praktikant*innen über den StuRa über ihre Rechte in Arbeitsverhältnissen aufklären, diese ermutigen und sie unterstützen, diese einzufordern. Deshalb treten wir weiter für eine allgemeine und regelmäßige Beratung zum Thema Arbeitsrecht, finanziert durch den StuRa, ein.

Perspektivisch braucht es auch für studentische Beschäftigte an der Universität einen Arbeitsbedingungen und Arbeitsvergütung regelnden Tarifvertrag, wie es ihn heute schon in Berlin gibt. Nur so kann der weit verbreiteten Willkür im Umgang mit wissenschaftlichen Hilfskräften allgemein und dauerhaft ein wirksamer Riegel vorge-schoben werden.

GLEICHSTELLUNG

Als feministischer und emanzipatorischer Studierendenverband setzen wir uns für Gleichstellung ein. Das bedeutet für uns auch schwangere Studierende und Studierende mit Kind besonders zu schützen und zu unterstützen. Pflichtveranstaltungen sollen daher nicht länger auf die Abendstunden gelegt werden, so dass vor allem Studierende mit Kind diese besuchen können. Außerdem fordern wir eine an die jeweilige Fachrealität angepasste Frauenquote für Professor*innen und den akademischen Mittelbau.

Gleichstellung heißt für uns aber auch die Gleichstellung von Menschen mit chronischer Krankheit. Als Reaktion darauf braucht es hier einen aktiven Nachteilsausgleich um Chancengleichheit herzustellen. So sollten beispielsweise Unterlagen und Skripten von Dozierenden für Blinde in Brailleschrift zur Verfügung gestellt werden. Hörgeschädigte und in ihrer physischen Schreibfähigkeit Eingeschränkte müssen die regulären Skripten ausgehändigt bekommen oder einen Schriftdolmetscher zur Seite gestellt bekommen. Außerdem muss für diese ein Zuschlag an Prüfungszeit erfolgen. Wenn Rollstuhlfahrer an einer Veranstaltung teilnehmen wollen, die zunächst in einem Raum stattfinden soll, der nicht barrierefrei ist, dann muss der Tausch des Hörsaal oder des Seminarraums Standard sein.

Studierende mit Sprachverständnisproblemen sollten durch die Aushändigung von Skripten unterstützt werden.

GELD FÜR LEHRE STATT VERMEINTLICHE EXZELLENZ

Die Exzellenzinitiative versagt in doppelter Hinsicht: Weder trägt sie zur Verbesserung der Lehre bei, da eine Förderung von Lehre im Rahmen der Exzellenzinitiative schlicht nicht vorgesehen ist; zudem verfehlt sie selbst ihr ureigenes Ziel, die Wissenschaft nachhaltig zu stärken, da Forschung durch sie stets nur selektiv und zeitlich begrenzt gefördert wird. Diese Geldspritzen für einzelne vermeintliche Elite-Einrichtungen verstärkt die Unterfinanzierung aller deutschen Hochschulen. Denn was einigen wenigen hier gegeben wird, fehlt in der Grundfinanzierung der anderen.

Wir lehnen die Exzellenzinitiative ab und fordern stattdessen eine ausreichende Grundfinanzierung aller Universitäten und Hochschulen bundesweit. Eine solche Grundfinanzierung würde gerade auch der Lehre gut tun.

Das Beispiel Baden-Württemberg zeigt, wie dringend notwendig dies ist. Hier sind durch die Umstrukturierung der Qualitätssicherungsmittel (QSM) zahlreiche Mittel für die Lehre verloren gegangen. Denn einerseits fiel die gesetzliche Bindung an die Lehre weg, andererseits kann nun das Rektorat darüber verfügen, welches das Geld lieber in bauliche Prestigeobjekte steckt. Darunter leidet die Qualität der Lehre, beispielsweise sind die Öffnungszeiten vieler Bibliotheken massiv reduziert worden. Uns passt diese Entwicklung nicht, wir wollen das ändern. Geld in die Lehre statt in vermeintliche Elite!

UNI FÜR GEFLÜCHTETE ÖFFNEN!

Ständig wird in der Öffentlichkeit über die Integration von Geflüchteten geredet. Allzu oft wird aber nichts dafür getan, oder den Geflüchteten werden sogar Steine in den Weg gelegt, etwa wenn zu wenig Sprachkurse für Geflüchtete angeboten werden oder sie keiner Arbeit nachgehen dürfen. Auch an der Hochschule existieren strukturelle Hürden für Geflüchtete.

So ist etwa die Aufklärung über die Studienmöglichkeiten für Geflüchtete unbefriedigend. Auch bestehen sprachliche und finanzielle Hürden. In den letzten Semestern konnten wir über die Verfasste Studierendenschaft positive Entwicklungen vorantreiben:

Es existieren mittlerweile ein Härtefalltopf zur Finanzierung von Studierenden mit Fluchterfahrung und Anlaufstellen für Geflüchtete an der Uni.

Doch weiterhin bestehen viele Probleme. Viele Verbindungen und insbesondere Burschenschaften verstärken diese auch noch zusätzlich, indem sie als rassistische, sexistische und klassistische Institutionen weiter Einfluss ausüben. Wir sagen: Die Situation ist noch lange nicht gut genug, wir müssen weiterhin Druck für eine Öffnung der Hochschulen machen. An Universitäten als Orte der Aufklärung ist Platz für alle Menschen, aber keiner für Vorurteile und Rassismus!

GEGEN DIE VERSCHULUNG DES STUDIUMS

Anwesenheitslisten sind bereits jetzt nur in seltenen Fällen rechtlich gestattet. Allerdings besteht sehr wenig Wissen über die rechtlichen Grundlagen zu Anwesenheitslisten. Über das Referat für Lehre und Lernen zusammen mit anderen Aktiven haben wir das regelmäßige, illegale Führen von Anwesenheitslisten im StudierendenRat zum Thema gemacht und sind auch weiterhin der Garant dafür, dass weiter an der fast vollständigen Abschaffung von Anwesenheitslisten im Studium gearbeitet wird. Der StuRa und die gesamte Verfasste Studierendenschaft muss hier dauerhaft aufklärend tätig werden und den Dozierenden Druck machen, ihre Praxis der Führung von Anwesenheitslisten  einzustellen. Doch wir wollen noch weitergehen: Die im Zuge der Bologna-Reform eingeführte verschulten Prüfungsordnungen mit ihren festen Plänen stellen eine deutliche Verschlechterung des Studiums dar. Studieren wird hier rein auf wirtschaftliche Verwertbarkeit reduziert. Zeit, individuellen fachlichen und sonstigen Interessen nachzugehen, sowie zur Selbstfindung fehlt meistens. Doch Studierende sind keine passiven Konsument*innen. Sie müssen nicht einfach belehrt werden, sondern sind selbst Akteure des Wissenschaftsbetriebs. Wir fordern daher, dass von Studierenden selbstorganisierte Seminare zukünftig in begrenzten Umfang angerechnet und mit Credit Points verbucht werden können.

STURA-WAHLEN 2016: VOM 14.-16. JUNI DEN SDS WÄHLEN!

Die Linke.SDS Heidelberg ist die sozialistisch-demokratische Hochschulgruppe in Heidelberg. Wir sind Studierende aus Heidelberg, die sich an ihren Hochschulen und darüber hinaus für demokratische und gerechte Gesellschaft einsetzen. Hierbei verstehen wir unsere Forderungen für eine Verbesserung der Studienbedingungen auch als Teil des Kampfes gegen den marktradikalen Umbau unserer Gesellschaft, gegen Sozialabbau, Ausgrenzung und Diskriminierung.

Wir verstehen uns als feministische und antimilitaristische Gruppe. Ein Thema, mit dem wir uns jedes Semester erneut auseinandersetzen müssen, sind Proteste und Blockaden gegen Nazi-Aufmärsche.

Zur Partei DIE LINKE pflegen wir ein kritisch-solidarisches Verhältnis. Manche von uns sind dort Mitglied, andere nicht. Die Arten wie wir uns für unsere Ziele einsetzen sind vielfältig: Wir veranstalten Lesekreise, besuchen und organisieren Demonstrationen und arbeiten aktiv im StuRa und den Referaten der studentischen Selbstvertretung mit.selbstorganisierte Seminare zukünftig in begrenzten Umfang angerechnet und mit Credit Points verbucht werden können