Finger weg von studienbeiträgen

Wir sind schockiert von den Erwägungen des Rektorats, die Vorbereitungskurse für die Latinums- und Graecumsprüfungen zukünftig kostenpflichtig zu gestalten. Das käme Studiengebühren gleich, denn ohne die Angebote sind die beim Land abzulegenden Prüfungen kaum zu bestehen, zumal es für diese nur drei Versuche gibt. In mehrerer Hinsicht elitär, denn dadurch werden große Gruppen vom Studium ausgeschlossen. Wer aus der Schule kein Latinum mitbringt – Sei es durch andere Fächerwahl, fehlende Angebote oder dem Gang durch den zweiten Bildungsweg, bekommt den Zugang zum Studium verwehrt, denn Latinum und Graecum sind weiterhin oft Voraussetzungen. Eine inklusive Bildung sieht anders aus. Bisher wurden die Kurse von der Klassischen Philologie angeboten und wurden aus den Qualitätssicherungsmitteln der Uni finanziert. Da dieser Topf nun leer ist, wird erwogen die Kurse ins Zentrale Sprachlabor zu verlegen, was Mehrkosten in Höhe von 110 Euro pro Studi verursachen würde. Das liegt weit über den bisherigen Kosten. Will die Uni hier heimlich Profit auf Kosten der Studierenden machen? Die ausgehenden finanziellen Mitteln betragen (nur) rund 13.000 Euro im Semester. Eine Finanzierung, die nicht auf Lasten der Studierenden geht, muss sich finden lassen. Besonders im Hinblick auf die Millionenförderung durch die Exzellenzinitiative zeigt es wieder einmal die krankhafte Doppelmoral auf: Geht es um die Forschung an „Spitzenclustern“, fließt Geld aus allen Hähnen, geht es um Sicherstellung von grundständiger Bildung, wird an jedem Cent gespart. In Zeiten von steigenden Lebenshaltungskosten, zunehmendem Stress durch stetige Manifestation des Bachelor-Master-Systems und zunehmender Verwirtschaftlichung des Bildungswesens stellen wir uns gegen jede Form von Studienbeiträgen. Wir schließen uns dem Beschluss des Studierendenrates an, der Erwägungen dieser Art und insbesondere die mangelnde Kommunikation der Unileitung, die erst zum Ende des Wintersemesters erfolgte und sich nur an das Seminar für Klassische Philologie richtete, klar verurteilt. Ein derart intransparentes und undemokratisches Verhalten nehmen wir nicht hin!

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