Stellungnahme zur „European Universities Initiative“

SCHLUSS MIT AUSTERITÄT UND KONKURRENZKAMPF!
AUSFINANZIERTE BILDUNG FÜR ALLE!
PAPIER GEGEN DIE ELITÄREN PROGRAMME DES EUROPÄISCHEN BILDUNGSWESENS
„Wenn man keinen Egoismus haben will, dann muß man nicht gegen ihn reden, sondern einen
Zustand schaffen, wo er unnötig ist.“
Bertolt Brecht, Über den Egoismus
„Das Studium und allgemein das Streben nach Wahrheit und Schönheit ist ein Gebiet, auf dem
wir das ganze Leben lang Kinder bleiben dürfen.“
Albert Einstein
Im Juni verkündete die Europäische Kommission, welche Hochschulnetzwerke von der „European
University Initiative“ gefördert werden. Diese ist eine Ausweitung der Exzellenzstrategie auf EUEbene. Sie wird als fortschrittlich verkauft – Tatsächlich droht die Intensivierung von
Konkurrenzkampf im Studium und die Ökonomisierung der Wissenschaftslandschaft. Wir reihen
uns in die Glorifizierung dieses Programms nicht ein, sondern fordern ein soziales und
demokratisches Bildungswesen für alle. In Deutschland, in Europa und international!
Echte Ausfinanzierung der Hochschulen statt symbolische Geschenke!
Die Förderung beläuft sich je Hochschule auf nur 30000 Euro im Jahr. Mit den sechs Milliarden,
welche die EU für panzertaugliche Straßen ausgeben möchte, könnte man 1000 Hochschulen mit
der zwanzigfachen Summe ausstatten. Auch die angekündigten Erhöhungen des Etats fallen
gering aus. Zudem sind die Aufwendungen für eine Bewerbung immens. Der Gewinn besteht aus
reinem Prestige statt aus materiellen Verbesserungen für Studierende und Forschende.
Gleichwertige Lebensverhältnisse statt Elitestickerei!
Unter den geförderten Einrichtungen sind nur drei Unis aus Ostdeutschland – und keine einzige
Fachhochschule. Auch osteuropäische Einrichtungen werden wenig unterstützt. Damit zeigt die
EU, dass auch in der Wissenschaft das Konzept „Kerneuropa“ Vorrang hat vor einer gemeinsamen
Politik. Wir finden, dass die Ausweitung hochqualifizierter Forschung und flächendeckende
Investitionen in allen Fächern und Standorten für die Studierenden nicht im Widerspruch
zueinander stehen. Zum Beispiel über eine europaweite Konzernsteuer ist es möglich die Studienund Forschungsbedingungen überall zu verbessern.
Hochschulen für Frieden und Emanzipation statt für Aufrüstung und Krieg!
Hochschulen müssen Orte sein, die sich gegen die militaristische und unsolidarische Praxis der
europäischen Regierungen und Institutionen stellen. Aktuell ist aber das Gegenteil der Fall:
KRITISCHES
FELD
Studierende der
Naturwissenschaften für
Frieden und Gerechtigkeit
2
Drittmittelabhängigkeit bringt viele Hochschulen in die Abhängigkeit von der Rüstungsindustrie –
So wurde in Heidelberg für die Verbesserung von Kriegsschiffen im Auftrag des Pentagons
geforscht. Die aktuelle Initiative der EU intensiviert dies, denn einige Förderer aus der
Privatwirtschaft sind mit der Rüstungsbranche verwoben. Was es statt dessen braucht, ist eine
länderübergreifende Zusammenarbeit in friedlicher, ziviler und kritischer Wissenschaft.
Bildung für alle statt nur für die Elite!
Von den Vorzügen des Programms werden nur Wenige profitieren. Sorglos Studieren bleibt ein
Privileg. Wir fordern eine die Lebenshaltungskosten deckende studentische Grundsicherung in
allen europäischen Staaten, bezahlbare Mieten uns kostenloses ÖPNV (nicht nur) für Studis und
Stipendienprogramme, die den Fokus nicht auf punktuelle Studienleistungen, sondern auf Bedarf
und ehrenamtliches Engagement legen.
Lebenslanges Lernen statt Ausbildung zur Maschine!
Das neue Förderprogramm rühmt sich mit Angeboten wie „Fachübergreifenden Kompetenzen“
oder „Praktika in der Wirtschaft“. Dies macht Bildung immer mehr zu einer Ware, die als reine
Vorbereitung für einen späteren Arbeitsmarkt dient. Bildung an einer Hochschule muss aber mehr
sein – Nämlich eine Möglichkeit seinen Interessen nachzugehen und vereint zum Fortschritt der
Wissenschaft beizutragen. In diesem Sinne stellen wir uns auch gegen die Fortführung des
Bologna-Prozesses, der mit dem Bachelor-Master System zu immer mehr Studienplänen,
Regelstudienzeiten und Sanktionen und damit zu einer Verschulung des Studiums führt.
Kollektive Wissenschaft statt marktorientierter Konkurrenzkampf!
Das Förderprogramm befeuert ein konkurrierendes, sich nach außen abgrenzendes
Wissenschaftsverständnis. Hunderte Unis, viele von ihnen über Jahrzehnte kaputt gespart, buhlen
um Fördergelder. Die Gewinner dieses Hahnenkampfes sollen dann „Leuchttürme“ sein, die zur
Verteidigung europäischer Wissenschaft dienen. Damit grenzt sich Europa ab vom Rest der Welt.
Statt andere Staaten auch in der Wissenschaft zum Feind zu stigmatisieren, sollten sich Unis
weltweit vernetzen. Nur wenn diese Verantwortung wahrgenommen wird lässt sich dauerhaft
Frieden herbeiführen und die ökologische Krise abwenden.
Und was jetzt?
Die letzen Jahre haben wir für Hochschulen gekämpft, die dem Wohle der Allgemeinheit und nicht
den Interessen einer kleinen Minderheit dienen – Ob für gerechte Arbeitsbedingungen von
Studierenden oder für eine Universität ohne Rüstungsforschung. Das werden wir fortführen!
Durch kreativen Protest auf dem Campus, in den Hörsälen und auf der Straße wollen wir unsere
Vorstellungen von demokratischer Wissenschaft verwirklichen. Bring auch du dich ein!

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